Frankfurt.- Der „Ordo Virtutum“ (um 1150) der Hildegard von Bingen gilt als erstes groß angelegt-mehrteiliges, ja zyklisches Opus jenseits der liturgisch vorgegebenen Form der Messe. „Seele“ ist die dem menschlichen Körper von Gott eingestiftete Dynamik des Lebens in Gestalt seiner unverwechselbaren Persönlichkeit. Das Ziel dieser Dynamik ist ihr Ursprung – Gott. Auf dem Weg zu ihm dienen sich der Seele weiter- und irreführende Wegbegleiter an, vor allem die lebensspendenden Tugenden als Grundhaltungen des Menschen, die ihn ins rechte Maß zu Gott, zur Welt und zu sich selbst setzen, und die Einsprüche des Teufels, der die Seelen in sich verkrümmt, statt sie auf Gott auszurichten. Der „Ordo Virtutum“ verleiht den lebenspendenden Tugenden eine Stimme und demaskiert die Einwürfe des Teufels als „Abergeister“.
Die Mezzosopranistin Dietburg Spohr zählt zu den profiliertesten und engagiertesten Interpretinnen Neuer Musik. Im Vordergrund steht die Arbeit mit dem von ihr gegründeten belcanto-Ensemble – Frankfurt am Main (Andrea Baader, Rica Rauch, Martina Scharstein, Edith Murasov, Selina Drews, Benjamin Cromme, Lilith Reidt), das sich auch im Grenzbereich zwischen Musik, Sprache, Theater und Performance bewegt.
Mit freundlicher Unterstützung von maecenia.