Durch die Zuwanderung seit den sechziger Jahren hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland verändert. Allein in Frankfurt am Main leben Menschen aus mehr als 170 Nationen. In diesem Kontext sind seit etwa fünfzehn Jahren immer wieder auch Fragen der Multireligiosität in den Vordergrund gerückt.
Eine Vielfalt von Lebensentwürfen und Meinungen, ethischen und religiösen Einstellungen birgt große Potentiale – sowohl positiv im Sinne der gegenseitigen Bereicherung, als auch negativ als Konfliktpotential. Vielfalt wird nicht von allen positiv empfunden, sondern kann auch verunsichern und ängstigen. Soziale Probleme und politische Krisen verschärfen die Unsicherheit vieler Menschen. Ein Rückzug auf das „Eigene“ oder gar auf fundamentalistische Positionen gibt vermeintlich Sicherheit. Wir wollen einen Raum bieten, um darüber nachzudenken, welche Werte wir brauchen, um die Vielfalt in unserer Gesellschaft produktiv zu gestalten und zu einer neuen gemeinsamen gesellschaftlichen Ethik zu finden.
Können uns die Religionen mit ihren jahrhundertealten Lehren und Traditionen angemessene Werte bieten? Kann eine neue Reflexion religiöser Werte zu mehr Respekt, Anerkennung und Konsens in der Gesellschaft führen oder trägt sie eher zu einer stärkeren Abschottung und Distanz bei? Welche Werte braucht unsere sich wandelnde Gesellschaft heute und was können wir diesbezüglich voneinander lernen?